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Fehlende Aktienkultur

Es gibt in Deutschland, wenn überhaupt, nur eine dramatisch schwindende Aktienkultur, die Zahl der Aktionäre ging seit 2012 um fast eine Million zurück. Da sich die Aktiennotierungen seit der letzten Finanzkrise verdoppelten, trifft der aktuelle Trend kaum auf Verständnis.

Der Untergang der deutschen Aktienkultur

Die Aufgabe des Deutschen Aktieninstituts (DAI) ist es, die heimischen Anleger für Investments in Wertpapiere zu begeistern. Eine erste Zwischenbilanz gibt Anlass zur Ernüchterung:

  • 2012 wurden noch 9,5 Millionen deutsche Aktionäre gezählt.
  • Bis zur Gegenwart verringerte sich der Wert auf 8,4 Millionen.

Aktuell sind lediglich 13,1 Prozent der Deutschen noch in Aktien investiert, von Aktienkultur kann also keine Rede sein. Die Aversion gegen Wertpapiere nimmt immer größere Ausmaße an, obwohl die seit Jahren steigenden Kurse eigentlich zum Gegenteil animieren müssten. Das Institut fürchtet, dass weitere Aktionäre sich von ihren Wertpapieren trennen, sollten keine Impulse aus der Politik eine Trendwende herbeiführen.

Die Finanzkrise als Auslöser der schwindenden Aktienkultur

Eine vom DAI und der Stuttgarter Börse durchgeführte Untersuchung ergab, dass für 31 Prozent aller Befragten die Finanzkrise von 2008 der Anlass für negative Einstellung zu Aktien war. Bei den derzeit immer noch in Aktien investierten Verbrauchern liegt der Wert mit 37 Prozent sogar deutlich höher. Die weiter zurückgehende Begeisterung für Aktien trifft bei Fachleuten auf Verwunderung, an der Entwicklung kann es kaum liegen, denn die Kurse haben sich seit dem Krisenjahr verdoppelt.

Für weiter zurückgehende Aktienkultur spricht, dass 77 Prozent der Deutschen Aktien für riskante und unsichere Papiere halten. Dass ein langfristiger Anlagehorizont die Gefahr fast vollständig reduziert, wird von der Mehrzahl der Verbraucher nur unter Vorbehalt zur Kenntnis genommen.

Banken könnten die Aktienkultur stärken

Selbst bei einer frei verfügbaren Summe von 10.000 Euro würden 55 Prozent der Befragten ihre Einstellung zu Aktien nicht korrigieren. Die restlichen 45 Prozent haben Probleme mit den klassischen Vertriebssystemen der Banken. Die Institute offerieren keine kostengünstigen ­ETF-Produkte, sondern nur Anlageoptionen, bei denen lukrative Vergütungen locken. Sie fördern damit den Untergang der Aktienkultur und ermutigen ihre Kunden trotz niedriger Zinsen zu Tagesgeld-Einlagen.

Die Anlageklasse Aktien gehört ins Depot

Für einen systematischen Vermögensaufbau und für eine sinnvolle Aufteilung bestehenden Vermögens ist die Anlageklasse Aktien ein unabdingbarer Baustein – in der Größe abhängig unter anderem von dem persönlichen Risikoempfinden. Das Image der Aktie ist in Deutschland zu Unrecht so negativ belegt. Risiko wird bei uns viel zu einseitig durch Schwankungsbreite definiert. Dass im letzten Jahrhundert in Deutschland viele Menschen Ihr auf Geldwerten basierendes Vermögen mehrmals durch Währungsreformen verloren haben, scheint vergessen. Die wirklich bedrohlichen Gefahren lauern nicht in der Schwankung. Der gnadenlose Verlust durch politische Maßnahmen dürfte viel verheerender sein. Und wer da nicht über verschiedene Anlageklassen – inkl. Aktien – breit aufgestellt ist, wird ggf. das Nachsehen haben.

Daher ist es so wichtig, hier immer wieder Aufklärungsarbeit zu leisten und die Menschen zu einem gesunden Umgang auch mit der Anlageklasse Aktien zu motivieren.